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Folge 2: Maurice Marten - Vom 5-Minuten-Mann zum engagierten Jungschiedsrichter

Maurice bei einem der zahlreichen Treffen des Förderkaders
Das erste Mal fällt Maurice in einem Herrenspiel auf. Ein Spiel der damaligen Kreisklasse B in Rothenhausen. Es ist kein schönes Spiel. Ein Spiel mit den üblichen Querschlägern, fußballerischem Grobwerk und den dazugehörigen Diskussionen. Kein einfaches Spiel für einen 16-jährigen Schiedsrichter, der gerade mal seit einem Jahr den Schiedsrichterausweis besitzt. Es gibt Zweifel. Zweifel, ob man junge Schiedsrichter tatsächlich solche Spiele leiten lassen soll. Die Erfahrungen in der Vergangenheit waren nicht immer positiv. Nicht selten endete ein vom Ansetzer gut gemeintes Herrenspiel für den ein oder anderen Schiedsrichter in einem Desaster. Fehlende Erfahrung, regeltechnische Unsicherheiten, pöbelnde Zuschauer und ausgebuffte Spieler, die sich von einem Teenager am Sonntagnachmittag ungerne erzählen lassen, wie sie zu kicken haben. Maurice hat sich trotzdem entschlossen, das Spiel zu leiten, sieht darin keinerlei Probleme.
Mit Beginn des Spiels ist er voll da, zeigt sich kompromisslos, wahrt die Distanz zu den Spielern und gewinnt dennoch deren Akzeptanz. Der Schiedsrichter-Beobachter am Rand weiß nicht so recht, wie ihm geschieht. Maurice pfeift auf dem Feld einen sehr kreativen, nicht immer regelkonformen Stil, hat jedoch aufgrund seiner enormen Ausstrahlung mit der Spielleitung keinerlei Probleme. Zwischenzeitlich wird es hektischer. Ein überhartes Foul, ein Pfiff, Diskussionen, ein Spieler verlässt das Spielfeld. Er stellt sich seelenruhig an den Spielfeldrand, während das Spiel weiterläuft. Der Beobachter ist interessiert, fragt den Spieler am Rand, warum er nicht weiter mitspielt.
„Ich soll mich mal fünf Minuten beruhigen“, sagt der Oldie und wirkt dabei vollkommen ruhig und entspannt. Er weiß anscheinend nicht, dass es die 5-Minuten-Zeitstrafe nur im Jugendbereich gibt und wenn doch, dann stört es ihn nicht.
„Hat der Schiri so gemeint!“ Bums aus! Keine Diskussionen!
Es ist eine lustige Geschichte. Diese Geschichte, die sich im September 2010 in Rothenhausen abspielt und die in Reihen der Schiedsrichter bis heute für lautes Gelächter sorgt. Lange war Maurice Marten der „5-Minuten-Mann“. Der Schiedsrichter, der in der Kreisklasse B einem „alten Haudegen“ die 5-Minuten Zeitstrafe gegeben hat und das Spiel dennoch vollkommen locker über die Bühne brachte.
Seitdem ist einige Zeit vergangen und Maurice ist nicht nur für diese eine Geschichte zu Beginn seiner Karriere bekannt. Seit geraumer Zeit gehört er dem Förderkader an, hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und seit dieser Saison seine ersten Spiele in der Kreisliga absolviert. Er ist angekommen, hat das erste Ziel erreicht und sich schnell in der neuen Liga etabliert. Die ersten beiden Beobachtungen waren direkt im guten und sogar sehr guten Bereich.
„Das war für den Anfang wichtig“, erklärt Maurice. „Natürlich ist man zu Beginn gespannt, wie man sich in einer neuen Liga zu Recht finden wird“
Damit begnügen will sich Maurice aber nicht. Seine Karriere soll weiter gehen. Für das nächste Jahr hat er den Aufstieg auf die Verbandsebene angepeilt. Die Meldung durch den Kreis hat er dafür schon einmal eingesackt. Jetzt liegt es an ihm. „Die Leistungsklasse 3 und die Leitung von Spielen der Jugend Verbandsligen ist für die nächste Saison das ganz große Ziel“
Maurice macht keinen Hehl aus seinen Vorhaben. Er ist selbstbewusst, weiß was er kann und was er will.
„Vielleicht sogar mal Bundesliga“, sagt er und bemerkt schnell selber, dass das schon etwas zu viel des Guten sein könnte.
„Aber davon träumt wohl jeder. In erster Linie geht es um die Schiedsrichterei an sich, nicht bloß um die eigene Karriere“
Bei Maurice sind solche Sätze nicht bloß Worthülsen. Er bringt sich ein, ist engagiert, hat gute Ideen, besitzt als junger Schiedsrichter selber bereits den Mut, Schiedsrichteranwärter bei sich an der Linie mitzunehmen.
Auf dem Platz zeichnet sich Maurice vor allem durch seine ruhige, angenehme Art aus, die bei Spielern und Offiziellen gleichermaßen ankommt. Er ist niemand, der sich großartig in den Vordergrund spielt und mit dem man nach dem Spiel offen über seine Fehler reden kann. Das macht ihn stark, wird von einigen Leuten aber auch ausgenutzt. Als negatives Beispiel nennt er im letzten Jahr einen Vorfall, als er von einem Mannschaftsverantwortlichen zu hören bekam, dass er lieber mit der Schiedsrichterei aufhören solle, weil er sich selber blamieren würde. Man kann förmlich spüren, wie sehr Maurice derartige Äußerungen mitnehmen. Er ist noch in der Lernphase, bekommt gerade erst zu spüren, dass man als Schiedsrichter leider nicht überall nur Freunde hat. Die schönen Erlebnisse überwiegen trotzdem bei ihm. Als Highlight gibt er einen Assistenten-Einsatz in der A-Jugend Regionalliga an.
„Ein riesengroßer Unterschied zum Kreisfußball, der einen vor ganz andere Herausforderungen stellt. Gemeistert habe ich die Sache aber trotzdem“, betont er stolz.
Neben dem Platz macht Maurice seit Sommer eine Ausbildung als Lagerlogist, wohnt mit seiner Familie in Sandesneben und verbringt ansonsten seine Zeit wie ein typischer Heranwachsender. Freundin, Sport, Partys – das Übliche eben. Maurice ist neben dem Platz so wie als Schiedsrichter auf dem Platz. Ein ruhiger, bodenständiger Typ mit der nötigen Konstanz und Gelassenheit. Er spielt sich nicht sonderlich hervor, sondern überzeugt durch Engagement und Offenheit. Ein Schiedsrichter der angenehmen Sorte, der sich zwar noch in der Lernphase befindet, aber engagiert an sich arbeitet. |